Geschichte des römischen Kohortenkastells Zugmantel

Kastell Zugmantel

Eines der bedeutendsten römischen Limeskastelle am Obergermanischen Limes befindet sich in der Nähe des heutigen Ortes Taunusstein-Orlen an der B417 – Hühnerstraße: das ehemalige römische Kohortenkastell Zugmantel. Schon in vorrömischer Zeit führte eine wichtige Handelsstraße aus dem furchtbaren „barbarischen“ Limburger Becken über die Taunushöhe, direkt am Limeszollübergang beim Limesturm WP 3/15 und dem Kastell Zugmantel vorbei, in Richtung Aquae Mattiacorum (Wiesbaden), weiter in die Provinzhauptstadt der römischen Provinz Germania Superior nach Mogontiacum (Mainz) und in den Rheingau. In der Nähe von Taunusstein-Orlen überquert der Limes die Bundesstraße. Hier liegen die Überreste das Kastell Zugmantel in der Nähe des Naturpark–Parkplatzes „Zugmantel“ direkt an der Bundesstraße B 417 gegenüber der Waffelfabrik Löser. Vom Parkplatz aus wird der Besucher auf einen 2,5 km langen, im Jahr 2008 angelegten, archäologischen Rundwanderweg geführt. Dabei wird das Kastell durchquert und das Kastelldorf,  Amphitheater und Heiligtum liegen am Wgrandum. Am Ende des Rundwegs gelangt der Besucher zum rekonstruierten Limeswachtturm WP 3/15,  der mit Palisade, Wall und Graben einen guten Eindruck des Limes vermittelt. Wegen seiner wichtigen Sperrfunktion gehörte das Kohortenkastell am Zugmantel zu den ältesten römischen Wehrbauten im Taunus. Der Kastellbau begann um 90 n. Chr. mit einem Numeruskastell aus Holz-Erde Bauweise (0,7 Hektar). Unter Kaiser Hadrian wurde das Kleinkastell erweitert auf etwa 1,1 Hektar. Wohl in der Mitte des 2. Jahrhundert entstand das etwas größere Steinkastell I (1,7 Hektar). Im Jahre 223 ist schließlich das auf 2,1 Hektar ausgebaute Steinkastell fertig geworden. Als Besatzung ist in dieser Zeit die Cohors I Treverorum equitata auf Inschriften bezeugt; sie ging aus einer älteren, kleineren Hilfstruppe der keltischen Treverer (»Trierer«) hervor, einem numerus (Kleinkastell für 150 Soldaten)Treverorum. Das Kastell bestand bis zum Ende des Limes um ca. 259/260. Heute ist die Umwehrung des ehemaligen Steinkastells an manchen Stellen noch als Erdwall gut im Wald zu erkennen. Auf dem Rundweg kann man auch die beiden Amphitheater des ehemaligen Kastells Zugmantel sehen, die eine Besonderheit am Taunuslimes darstellen.   Die »Rundschanze« zwischen Kastell und Limes, nicht weit von der Bundesstraße, besaß im Norden und im Süden je einen Eingang. Die «Schanze« war kein Wehrbau, sondern ein kleines Amphitheater, wie man es oft neben Kastellen, gelegentlich auch neben Auxiliarlagern gefunden hat. Sie diente als Arena und für militärische Übungen der Truppe. Ein zweites Amphitheater liegt rd. 300 Meter östlich am Galgenköppel, dieses wird für Versammlungen der Zivilbevölkerung und für Unterhaltungveranstaltungen gedient haben.

Das Fundament des Limesturmes WP 3/15 wurde 1966 bei Straßenbauarbeiten an der B417 gefunden und eingehend untersucht, um dann rund 25 Meter östlich des Fundortes,  zwischen 1971/72 als rekonstruierter Limesturm wieder aufgebaut zu werden. Der rekonstruierte Limesturm ist nicht verputzt worden; viele Limestürme des Taunuslimes trugen wohl einen hellen Kalkverputz, in den rot eingeritzte Linien angebracht wurden, die von weitem aussahen, als seien die Wachttürme aus gleichmäßig beschlagenen Steinquadern erbaut. Vor dem Wachtturm sind rd. 50 Meter der Palisade, Wall und Graben rekonstruiert worden.

Das Haupttor des Kastells war in allen Bauphasen nach Osten gerichtet. Schon vom ältesten Haupttor führte ein Weg in südöstlicher Richtung zur Aarquelle. Der kleine Fluß “Aar” entspringt unterhalb des Kastelldorfes am Zugmantel und mündet nach rd. 40 Kilometern bei der Stadt Diez in den Fluß Lahn. An dieser Quelle, die noch heute fließt, hat die Truppe am Anfang des 2. Jahrhundert einen Thermenbau errichtet. An dem Weg vom Haupttor zu den Thermen entwickelte sich der Kern des Kastelldorfes (vicus). Der Weg wurde später zu einem dreieckigen Platz erweitert. Er wurde von einem kleinen Heiligtum beherrscht, das dicht vor dem Haupttor des Kastells lag. In dem vicus befand sich außerdem ein Heiligtum des Jupiter Dolichenus, von dem man Mauerreste und auch Skulpturen dicht vor der Nord-Ost-Ecke des Kastells gefunden hat. Es gab ferner einen Tempel zwischen Kastell und Limesturm, dessen Spuren im Wald noch gut sichtbar sind. Vielleicht war er der Mater Magna geweiht. Der vicus besaß einen zweiten Schwerpunkt an der Handelsstraße, die vom Süd-Tor des Kastells ausging. An diesem schloss sich das Gräberfeld hinter dem vicus in  ca. 250 Meter Entfernung vom Kastell an.

Bei der Ausgrabung des Kastelldorfes (vicus) hat H. Jacobi zum erstenmal über die Haustypen Klarheit gewonnen, die in einer solchen dörflichen Ansiedlung üblich waren. Die Häuser waren länglich-rechteckig; ihre Breite lag bei 6-13 Meter, die Länge meist zwischen 25 bis 43 Meter. Sie wendeten die Schmalseite, versehen je mit einem Portikus, der Straße zu, und dort befand sich in der Regel der einzige Kellerraum des Hauses. Von der Inneneinteilung der Häuser ist wenig bekannt. Gelegentlich konnten geheizte Räume im Inneren der Häuser nachgewiesen werden, viele besaßen auch einen eigenen Brunnen. Im Vicus der Saalburg sind Ruinen solcher Vicus-Häuser gut sichtbar; der Vicus des Zugmantel-Kastells ist dagegen fast völlig von der Oberfläche verschwunden.

Unter den Funden aus dem Vicus gibt es ungewöhnlich zahlreiche germanische Fundstücke des 2. Jahrhunderts n. Chr., die in anderen Kastellvici des römischen Hessen gelegentlich auch vorkommen. Diese Funde fanden stets besondere Beachtung in der Forschung und haben manche Diskussion hervorgerufen. Sie kamen zusammen mit römischen Funden aus den Kellern, Brunnen und Bodenschichten des Vicus und bezeugen, dass neben dem Kastell der 1. Trevererkohorte eine starke germanische Bevölkerungsgruppe wohnte. Offenbar haben die Römer auch im 2. Jahrhundert n. Chr. einzelnen Germanenstämmen die Ansiedlung in der Provinz gestattet, verbunden mit der Verpflichtung  der neu zugezogenen Männer zum Militärdienst.

Der Limes bei uns im Rheingau-Taunus-Kreis

Rund ein Viertel des hessischen Limes, das sind 41,5 km, verläuft heute durch den Rheingau-Taunus-Kreis und durch das Gebiet des Naturpark Rhein-Taunus. Von Rheinland-Pfalz her kommend beginnt der Limes seine Weg vom Bodendenkmal des Limesturmes WP 2/35 “Am Laufenselderweg” in der Gemarkung Grebenrod bis zur letzten Limesturmstelle WP 3/41 auf dem Kreisgebiet bei Glashüten. Auf diesem Gebiet befinden sich 6 Kastelle und 51 nachgewiesene Wachttürme. In Hessen befinden sich 153 km der rund 550 km Limesstrecke, des ehemaligen Obergermanisch-Raetischen Limes. Der Limes trennte seit ca.  90 n. Chr. bis 259/260 n. Chr., also für rund 170 Jahre das Römische Reich vom Barbaricum.

Die rund 120 Kastelle,  900 Limestürme, Holzpalisaden, Wälle, Gräben und in Raetzien später die Steinmauern dienten den römischen Reich als Schutz. Aufgabe des Limes war es, die Erleichterung des Waren- und kleien Grenzverkehrs zwischen den Provinzen besser kontrollieren zu können und die Erhebung von Zöllen an den Grenzpunkten zu ermöglichen.

Fortsetzung fogt! ;-)